Entbindungen können entweder stationär (im Krankenhaus), ambulant oder bspw. als Hausgeburt durchgeführt werden – durch den Kinderwunsch vieler Frauen ist das Thema in jedem Fall weit verbreitet. Entbindungen, die ambulant durchgeführt werden, finden zwar im stationären Setting statt, Mutter und Kind(er) können das Krankenhaus allerdings nach etwa sechs Stunden wieder verlassen.* Manche Familien machen sich keine Gedanken um einen favorisierten Geburtsort, wohingegen andere sich bspw. uneingeschränkt auf eine gute medizinische Betreuung im Krankenhaus verlassen möchten.

Die folgenden Entbindungs-Statistiken analysieren Entwicklungen und Ausprägungen hinsichtlich stationär durchgeführter Entbindungen. Analysiert wurden folgende Kennzahlen im Zeitraum 2006 – 2019 auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes:

  • Formen der Entbindung
  • Fallzahlen Entbindungen stationär
  • Aufenthaltsdauer im Durchschnitt
  • Verteilung der Altersklassen

Weiter wird in einer Folge-Statistik auf das regionale Vorkommen stationärer Entbindungen und Kliniken eingegangen.

 

*Dr. Ilona Rost, RMA Gesundheit GmbH: Die Geburt: Wo und wie gebären? (letzte Änderung: 08/2020), unter: https://www.minimed.at/medizinische-themen/gesundes-kind/wo-geburt/

 

Formen der Entbindung

Für die vorliegende Statistik ist die (Kodierungs-)Sicht der im Krankenhaus entbindenden Mütter eingenommen. Grundlage der herangezogenen Diagnosen bietet das Kapitel XV „Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“ der ICD Klassifikation („International Classification of Diseases – 10. Revision – German Modification“ – ICD-10-GM). Es werden lediglich Hauptdiagnosen analysiert (mehr dazu im Folgenden). Formen der Entbindung lassen sich durch die Diagnose-Gruppe O80-O82 „Entbindung“ mit der Spontangeburt eines Einlings, der Geburt eines Einlings durch Zangen- oder Vakuumextraktion und der Geburt eines Einlings durch Schnittentbindung (Sectio caesarea) darstellen.

Bei den verschiedenen Formen der Entbindung ist die häufigste die Spontangeburt eines Einlings mit 135.596 Fällen im Jahr 2019 von insgesamt 160.566. Zum Vergleichsjahr 2006 hat sich die Fallzahl verdoppelt (+ 109 %). Gegensätzlich dazu ist die Entbindung durch einen Kaiserschnitt seit 2006 gesunken (- 22 %). Ähnliches gilt für die Entbindung durch Zangen- und Vakuumextraktion (- 36,8 %).

 

Gegenüberstellung der Fallzahl unterschiedlichen Formen der Entbindung von 2006 versus 2019

Formen der Entbindung – Fallzahlen von 2006 versus 2019

 

Fallzahlen-Entwicklungen stationäre Entbindungen

In kumulierter Betrachtung ist grundsätzlich ein Fallzahlenanstieg stationärer Entbindungen zwischen 2006 und 2019 (+ 58.227 Fälle bzw. 50 %) zu verzeichnen.

 

Wichtig ist an dieser Stelle die Definition der Grundgesamtheit. Es werden lediglich Hauptdiagnosen der ICD-10-GM einbezogen, da der Einbezug von Nebendiagnosen nach eigener Recherche durch Kombinationen zu Verzerrungen führt. Somit bietet die Statistik lediglich eine Betrachtung der Entbindungen von Neugeborenen im Krankenhaus ohne Komplikationen (in der Theorie). Es ist davon auszugehen, dass Komplikationen, die mit dem Krankenhausaufenthalt entbindender Mütter unmittelbar zusammenhängen, als Hauptdiagnose genannt werden. Durch eine Vielzahl an Komplikationen ist auch hier eine Näherung zur Gesamtfallzahl schwierig.

Die Gesamtzahl an stationären Entbindungen und somit Neugeborenen in Deutschland fällt also deutlich höher aus. Dadurch, dass nicht gewährleistet werden kann, in welchen Fällen Krankenhäuser Komplikationen des Kapitels XV (zum Beispiel ein Code der Gruppe O85-O92 „Komplikationen, die vorwiegend im Wochenbett auftreten“) als Hauptdiagnose nennen anstatt einen der ausgewählten Entbindungs-Codes (ICD-10 O80-O82, O60.1-O60.3), wird sich auf die ICD-10 Codes beschränkt, die einer regulären Entbindung konkret zuzuordnen sind. So können u. a. plausible Aussagen zu Aufenthaltsdauern gemacht werden, die Verweildauern von Entbindungen repräsentativ widerspiegeln. Dazu gehört auch hier die Gruppe O80-O82 „Entbindung“. Um sich einer genaueren Fallzahl der stationär durchgeführten Entbindungen zu nähern, wird die Diagnosegruppe O60.1-O60.3 „Vorzeitige Wehen und Entbindung“ inkludiert. Die Fallzahlenbetrachtung ist ebenfalls auf die Hauptdiagnosen beschränkt.

 

Im Gesamtzeitraum und in kumulierter ICD-10 Betrachtung handelt es sich also um einen relativen Zuwachs von etwa 50 %. In separater Analyse verhalten sich die Fallzahlen sehr unterschiedlich. Während die ICD-10 Gruppe O60.1-O60.3 „Vorzeitige Wehen und Entbindung“ deutlich geringere Fallzahlen aufweist als die Diagnosegruppe der „Entbindung“, ist dort in alleiniger Betrachtung eine Fallzahlsenkung zu analysieren (- 21 %). Die ICD-10 Gruppe O80-O82 steigt hingegen deutlich um + 63 %.

Augenscheinlich ist zudem ein stetiger Rückgang stationär durchgeführter Entbindungen zwischen 2006 und 2013. Dies ist in beiden ICD-10 Gruppen zu sehen. Besonders betroffen war die Gruppe „Entbindungen“: Hier fiel die Fallzahl um – 39 % (- 38.384 Fälle, 2013) und stieg fortan überproportional um + 168 % bis zum Jahr 2019 (+ 100.665 Fälle).

 

Darstellung der Fallzahlen stationärer Entbindung im Zeitverlauf ab 2006

Fallzahl-Entwicklung stationärer Entbindungen ab 2006

 

Aufenthaltsdauer im Durchschnitt

Die Verweildauer ist bei Patientinnen nach einer Entbindung zurückgegangen. Dies ist sowohl im Kapitel O80-O82 „Entbindung“ als auch im Kapitel O60.1-O60.3 „Vorzeitige Wehen und Entbindung“ zu verzeichnen.

Eine gesonderte Betrachtung ist heranzuziehen, da die Diagnosen O60.1 „Vorzeitige spontane Wehen mit vorzeitiger Entbindung“ bzw. O60.2 „Vorzeitige Wehen mit termingerechter Entbindung“ oder O60.3 „Vorzeitige Entbindung ohne spontane Wehen“ durch eine Abweichung des Normalfalls mit anderen Verweildauern einhergehen können.
Während die Patientinnen, die dem Kapitel „Entbindung“ zugeordnet wurden, im Jahr 2006 noch durchschnittlich 4,92 Tage im Krankenhaus verblieben, waren es im Jahr 2019 ungefähr 3,54 Tage. Der Rückgang erscheint nahezu linear. Insgesamt konnten die Patientinnen die Klinik in den letzten 13 Jahren um durchschnittlich 1,38 Tage früher verlassen. Dies entspricht einem Minus von ca. 28 %.

Deutlich länger lagen die Patientinnen, die von „Vorzeitigen Wehen und Entbindung“ betroffen waren. Im Jahr 2006 lagen diese im Durchschnitt noch 8,3 Tage. Die Aufenthaltsdauer ist bis zum Jahr 2019 auf 6,63 Tage zurückgegangen (- 1,67 Tage bzw. etwa 20 %).

 

Darstellung der Aufenthaltsdauer von Patientinnen bei stationärer Entbindung im Zeitverlauf ab 2006

Durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei stationärer Entbindung ab 2006

 

Verteilung der Altersklassen

Die Anzahl der stationär behandelten Patientinnen mit der Verschlüsselung ICD-10 O80-O82 sowie O60.1-O60.2 im analysierten Zeitraum ist insgesamt um etwa 50 % gestiegen. Einen signifikanten Zuwachs erfährt die Altersgruppe von 30-39 Jahren mit + 45.499 Fällen (+ 86 %) zwischen 2006 und 2019.

Wie bereits erhoben sind im Einzelnen betrachtet die Fallzahlen der Gruppe O80-O82 deutlich gestiegen (+ 63 %). Ein Anstieg ist in allen Altersklassen zu beobachten, außer in der Altersklasse von jüngeren Patientinnen (15-19 Jahre).
Den signifikantesten Zuwachs von über 101 % verzeichnen auch hier Frauen in der Altersklasse von 30-39 Jahren, insofern davon auszugehen ist, dass der vergleichsweise höhere, relative Zuwachs an Entbindungen älterer Frauen (50-59 Jahre) sehr geringe Fallzahlen aufweist.

In der Gruppe O60.1-O60.2 ist die Gesamtfallzahl gesunken (- 21 %). Die signifikanteste Abnahme der Frauen mit „Vorzeitigen Wehen und Entbindung“ fand in der Altersgruppe von 20-29 Jahren statt mit einem Minus von 3.664 Fällen (- 40 %). Die Fallzahlen der älteren Altersgruppen sind sogar leicht angestiegen im Vergleich von 2006 bis 2019.

Wie im Verlauf analysiert ist die Verweildauer in beiden Diagnosegruppen mit einem Minus von 1,38 bzw. 1,67 Tagen deutlich gesunken. Dies entspricht einer effektiven Reduktion von 28 % bzw. 20 %.

 

Darstellung der Verteilung der Altersklassen der Patientinnen bei stationärer Entbindung

Gegenüberstellung der Verteilung von Altersklassen bei stationärer Entbindung – 2006 versus 2019

 

Die gesamte Analyse wurde mithilfe der Onlineplattform reimbursement.INFO erstellt!


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